Fahrzeugkontrolle

Nächtliche Fahrzeugkontrolle - Kurzgeschichte

 

Fahrzeugkontrolle

Die Beamten waren auf nächtlicher Routinefahrt. Bens und Franks Blicke folgten den Lichtkegeln vor dem Wagen, der sich zügig über die Straße bewegte. Sie sprachen nicht viel. Einige Kilometer weiter, sahen sie die Rücklichter eines anderen Fahrzeuges. Sie näherten sich dem Wagen schnell. Blieben dann kurz hinter dem Wagen. Ben zog nach links zum Überholen. Auch das Fahrzeug vor ihnen, wechselte die Spur.

Ben kommentierte dies mit einem knappen „Idiot“. Er bremste ab und betätigte kurz die Lichthupe. Der BMW vor ihnen blieb auf der linken Seite. Die beiden Beamten blickten sich kurz an. Ein Blick, der nach fünf Jahren im gemeinsamen Streifendienst, keiner Worte bedurfte. Sie vergrößerten den Abstand, zogen wieder auf die rechte Spur. Die Überprüfung des Kennzeichens verlief ergebnislos. Dann sah man blaue Lichtreflexe. Die über den Asphalt und eine Teil der Felder zu beiden Seiten tanzten. Vor Ihnen? Keine Reaktion, der Wagen blieb mit konstant langsamer Geschwindigkeit auf der linken Fahrbahnseite. Ben fuhr wieder näher auf den Wagen vor ihnen auf. Frank ordnete über Lautsprecher an, die rechte Spur zu benutzen. Auf dem Seitenstreifen anzuhalten. Langsam verließ das Fahrzeug die linke Spur. Seine Geschwindigkeit behielt er jedoch bei. Frank wiederholte die Aufforderung. Diesmal reagierte der Unbekannte vor ihnen. Er fuhr gelassen auf den Seitenstreifen. Lies das Fahrzeug ausrollen. Ben brachte den Streifenwagen kurz dahinter zum Stehen.

Beide Beamte stiegen aus. Frank hatte seine MP im Anschlag. Er leuchtete mit seiner Stablampe durch die Heckscheibe. Momentan konnte er nur eine Person erkennen. Die Beiden gingen zur Fahrertür. Frank sicherte. Ben spulte die Routine ab. Am gestoppten Fahrzeug war das Seitenfenster bereits geöffnet. Ben näherte sich von hinten, ließ dabei den Lichtkegel der Lampe auf den im Wagen sitzenden gerichtet. Er begann die Überprüfung, mit den Standard-Sätzen. Dabei suchte er mit der Lampe den Innenraum ab. Der Mann hatte beide Hände am Lenkrad. Sein Gesicht nach vorne gerichtet. Nach einer knappen Begrüßung, forderte er Führer- und Fahrzeugschein. Die Papiere wurden prompt übergeben. Hielt er diese bereits in der Hand? Das hätte ihm auffallen müssen. Die Dokumente waren ok, das Auto nicht als gestohlen gemeldet. Er forderte den Fahrer auf, aus zusteigen. Der Mann der nicht sprach, stieg aus. Frank, leuchtete dem Fremden direkt ins Gesicht. Er blinzelte noch nicht mal. Innerlich schauderte er – schwarze, glänzende Augen. In einem hageren, asketischen Gesicht. Gebräunter Teint. Ben sprach den Mann nun namentlich an, ob er Alkohol oder andere Betäubungsmittel zu sich genommen hätte. Keine Reaktion. Ben ging zum Streifenwagen. Frank sicherte weiterhin und vergrößerte den Abstand. Dieser „Schweiger“ war nicht geheuer. Sein Kollege erschien mit dem Alkomaten zurück. Bereitete das Gerät erklärend vor.

Ließ den Fremden aber nicht aus den Augen. Dieser ging spontan auf ihn zu. Frank, richtete sofort die MP direkt auf ihn. Der Fremde stoppte, Ben wich zurück.

Bens Stimme wurde deutlich lauter, ging in einen Befehlston über. Er forderte den Mann zum Test auf. Wieder keine Reaktion. Er wies ihn auf die Konsequenzen bei Verweigerung des Testes hin. Er stand einfach weiter ruhig da, sein Blick auf den Beamten gerichtet. Ben wiederholte, wartete kurz. Er hatte von dem Typen die Nase voll. Ein Anruf bei der Leitstelle. Ein zweites Fahrzeug war unterwegs.

Ben kontrollierte den Kofferraum, im Beisein des Fremden. Ihm war unbehaglich. Der Bus traf kurze Zeit später ein, man fuhr zur Blutentnahme.  Die Leitstelle hatte angeordnet. Beide Polizisten sollten zur Sicherung anwesend sein. Arzt und Beamte kanten sich, die üblichen Formalitäten. Der Doc bereitete alles vor. Desinfizierte den Einstichbereich. Schlug leicht auf den Unterarm des schweigenden Mannes, damit die Venen deutlicher hervortreten. Er schlug nochmals auf die Stelle. Dann konnte man, in dem sonst ruhiger Raum hören, wie aus leichtem Klopfen, festere, härtere Schläge wurden. Der Arzt prüfte den Puls. Dann lagen zwei Finger an der Halsschlagader der Person.

Er forderte den Mann auf das Hemd zu öffnen. Der Doc hörte den Brustkasten des Mannes ab. Ein Anflug von Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gebildet. Er solle tief einatmen. Dieser Aufforderung kam der Mann nicht nach. Jedenfalls übertrug das Stethoskop keine Geräusche.

Der Arzt wurde sichtlich nervös. Er ließ von dem „Patienten“ ab, ging zu den Beamten. Wollte etwas sagen. Stoppte, nahm das Ohrthermometer vom Tisch und hielt dies dem Fremden ins Ohr. Er blickte kurz auf die Temperaturanzeige, prüfte das Gerät an seinem Handrücken. Hielt es dem Mann nochmals ins Ohr. Der Doktor forderte die Beamten auf, mit ihm vor die Tür zu kommen. Vor dem Behandlungszimmer, zündete er sich leicht zitternd eine Zigarette an. Blies einen tiefen Zug wieder in die Luft. Meine Herren, der Mann ist einfach ausgedrückt – tot. Aber das ist lächerlich, es muss einen Grund geben, das ich keinen Puls, keine Lebenszeichen finde. Das ganze Verhalten! Er könnte unter Drogen stehen. Eine neue Designerdroge, vielleicht. Wir gehen jetzt wieder rein. Ich versuche nochmals eine Blutabnahme durchführen. Ich möchte sie nur bitten, sich etwas näher zu stellen. Sie verstehen! Sie betraten den Raum. Einen leeren Raum. Der nur ein vergittertes Fenster und diese Tür besaß.

22.07.17

 

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